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Jürgen Sandkühler: Schmerzgedächtnis. Entstehung, Vermeidung und LöschungChronische Schmerzen können durch krankhafte Veränderungen der Signalverarbeitung im Nervensystem verursacht oder verstärkt werden. Unzureichend behandelte Schmerzen können Spuren im Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark) hinterlassen, die die Empfindlichkeit für Schmerzreize erhöhen und sich klinisch als Hyperalgesie (Schmerzüberempfindlichkeit) äußern. Offenbar können starke Schmerzreize die synaptische Übertragung (Übertragung von Impulsen zwischen Nervenzellen) von Schmerzinformationen vom peripheren auf das Zentralvervensystem anhaltend potenzieren (verstärken). Die synaptischen Veränderungen sind denen im Hippocampus (bestimmter Teil des Gehirns) ähnlich, die beim Lernen und bei der Bildung eines kognitiven (erkennenden, wahrnehmenden) Gedächtnisses beteiligt sind. Im Rückenmark kann die Entstehung der synaptischen Langzeitpotenzierung durch Lokalanästhetika (Mittel für örtliche Betäubung oder Neuraltherapie) und Analgetika (Schmerzmittel) nicht jedoch durch eine Allgemeinnarkose verhindert werden. Eine ähnliche Schutzwirkung kann die körpereigene Schmerzabwehr entfalten. Dagegen ist das Löschen es Schmerzgedächtnisses pahrmakologisch (mit Medikamenten) bislang nicht möglich. Oftmals können Gegenirritationsverfahren wie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) oder die (Elektro-) Akupunktur (gemeint ist nicht die Elektroakupunktur nach Voll!) die gesteigerte Empfindlichkeit des nozizeptiven (Reiz empfindenden) Systems im Rückenmark zumindest zeitweise wieder normalisieren. Neue neurobiologische Konzepte über das Schmerzgedächtnis bieten viel versprechende Ansätze zur Vermeidung und Behandlung chronischer Schmerzen. Die Anmerkungen in Klammern wurden zur Erläuterung hinzugefügt. Der gesamte Artikel ist erschienen in: Deutsches Ärzteblatt A Jg. 98 Heft 42 vom 19. 10. 2001, 2725-2730. |